Der Neoliberalismus hat in seinem Hauptfokus Geld. Am besten Geld mit Geld machen. Er ist ein Nimmersatt. Ein Fass ohne Boden. Er kann nicht teilen. Er kann nicht ausgleichen. Die Anliegen der Kunden und der Mitarbeiter, die Produktentwicklung und das Gemeinwohl haben hier wenig Gewicht.
Die Kehrseite der Medaille ist das Empfinden von Verbundenheit und Einheit – wir sitzen alle im selben Boot. Da ist Teilen und Ausgleichen normal und selbstverständlich. Das zeigt Nelson Mandela mit seiner Versöhnung, Junis mit seinen Mikrokrediten und Barack Obama mit seinen „ausgestreckten Händen“.
Der Neoliberalismus leidet am Gefühl von Mangel und Ungesichertheit, das ihn nie genug haben lässt. Das Durchschauen des Neoliberalismus könnte eine Einladung sein, zu verstehen, dass wir mit Teilen und Ausgleichen alle gewinnen können.
Im Folgenden kommt ein aktuelles Beispiel, das ein Gesicht des Neoliberalismus sichtbar macht.
Genug ist zu wenig
Was muss passieren, dass gleich mehrere bestverdienende Spitzenmanager eines Konzerns gemeinsam kriminelle Aktionen setzen, um sich persönlich zu bereichern?
Diese Frage stellen sich nicht nur die Gerichte, sondern vor allem die Mitarbeiter der Telekom und die Bevölkerung in Österreich.
Vorstände und Manager haben 2004 den Aktienkurs manipuliert, um Boni in der Höhe von rund neun Mill. Euro zu kassieren.
"Die Mitarbeiter sind erschüttert darüber, was hier abgelaufen ist" sagt der Vorsitzende des Personalausschusses. Für das Image des Unternehmens ist dies eine Katastrophe. Ihn störe vor allem, dass diejenigen, die sich am Unternehmen bereichert haben, einen riesigen Personalabbau durchgeführt haben. Bei den Mitarbeitern werde jeder Cent drei Mal umgedreht und eingespart und selbst haben sich die Bosse Millionen genehmigt.
Wo ist hier die Kontrolle? Ein Experte für Wirtschaftskriminalität meint dazu, dass Führungskräfte sich über vorgesehene Kontrollen hinwegsetzen können. Man nennt das Management Override. Kein internes Kontrollsystem halte stand, wenn es jemand bewusst außer Kraft setzt. Bei Korruption oder anderen illegalen Machenschaften sei ein "Triangel" im Spiel, bestehend aus Motiv, Gelegenheit und Rechtfertigung für sein Tun.
So etwas funktioniert auch in der Gruppe. Der Experte warnt aber davor, von den "kriminellen Managern" zu sprechen. Es stehen immer Menschen, die Handlungen setzen, dahinter, keine Berufsgruppe. 98 Prozent der Führungskräfte leisten Zeit ihres Lebens integere Arbeit.
Ein Personalvertreter sieht mitunter das "anstrengende Managerleben mit den immer gleichen Streitereien, ständigen Meetings und Entscheidungsnotständen" als Grund für Verfehlungen.
Es ist die Suche nach dem Kick, die manche treibt.
Dazu kommt, dass Topmanager oft psychohygienisch unterversorgt sind. Ausgesucht wird in den Unternehmen heute nicht nach ethisch-moralischen Werten, sondern danach, wer ist der Härteste für den Job. Der Auswahlprozess für Topjobs funktioniert suboptimal. Persönlichkeitstests fehlen. Auf dem grauen Markt werden die gleichen Gesichter hin und her geschoben. Parallel dazu macht sich angesichts der Finanzkrisen eine Resignation im System breit. Irgendwie wirkt es so, als wollten sich manche noch schnelles Geld machen.
"Genug ist zu wenig" so funktioniert das kapitalistische System. Um Geld zu machen, sind die Möglichkeiten heute viel größer, die Gier zu befriedigen. Das Geld kann als Spielgeld an den tatsächlichen Börsen eingesetzt werden, das eigene Wissen wird benutzt, um vorherzusagen, ob Rot oder Schwarz fallen wird. Die Gehirnstruktur von hohen Managern in der Geldwirtschaft und von Spielsüchtigen unterscheidet sich nicht wesentlich. Die Mechanismen, die da ablaufen, sind ganz ähnlich. Nur erscheinen die Herren im Nadelstreif natürlich ein bisschen zivilisierter. Für Verzicht kann man im Kapitalismus bestenfalls eine moralische Anerkennung erhalten. Als die Besten gelten diejenigen mit Geld.
In Ländern wie Griechenland und Spanien gehen die jungen und gebildeten Menschen schon auf die Straße.

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